Die Milch-Frage aus Malawi – und was Führungskräfte daraus lernen können

Shownotes

Menschen sind überall gleich – Warum gut gemeinte Hilfe Teams schwächt

Während einer Reise nach Malawi und Sambia hat Annette etwas beobachtet, das sie auch aus vielen Unternehmen in Deutschland kennt: Menschen geben Verantwortung ab – und andere übernehmen sie bereitwillig. Das klingt zunächst harmlos, hat aber oft weitreichende Folgen.

Ausgelöst durch einen Unfall ihrer Mutter verbringt Annette mehrere Tage in Lilongwe. Dort erlebt sie hautnah, wie ihre Stiefmutter Rose von morgens bis abends damit beschäftigt ist, Probleme für andere zu lösen. Das Telefon steht kaum still. Fragen, die andere oft selbst beantworten könnten, landen bei ihr. Die Folge: Dauerstress, mentale Überlastung und kaum Zeit für sich selbst.

In dieser Folge erfährst du: Warum ständiges Helfen Teams langfristig schwächt Weshalb Rückdelegation so häufig passiert Wie Micromanagement oft entsteht Warum fehlende Eigenverantwortung Motivation zerstört Was Delegation mit mentaler Gesundheit zu tun hat Wie du Mitarbeitende zu mehr Selbstständigkeit führst Warum die Frage nach drei Lösungsvorschlägen so wirkungsvoll ist Weshalb Konsequenz wichtiger ist als Perfektion

Diese Episode zeigt, warum mentale Stärke nicht bedeutet, alles selbst zu machen – sondern Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört.

Transkript anzeigen

00:00:03: Fürst Class to go!

00:00:06: Boost your Team.

00:00:08: Der Podcast für Team Leader auf dem Weg zu einem mental starken und leistungsfähigen Team mit Annette Fürst.

00:00:19: Herzlich willkommen zur Folge forty-six.

00:00:23: Heute geht es darum, dass ich mal wieder festgestellt habe das Menschen doch einfach überall gleich sind.

00:00:30: Ja ja ich weiß das ist eine Verallgemeinerung die sicherlich nicht komplett zutrifft.

00:00:37: Bei dem, was ich die letzten zwei Wochen erlebt habe allerdings in einem Ausmaß das mich erschreckt hat und ich sehr deutlich sehen konnte zu welchen Auswirkungen es führt und deswegen möchte ich dir davon erzählen.

00:00:53: Ich war jetzt gerade zwei Wochen in Afrika genauer gesagt im Malawi und den Sambia Und meine Mutter und ich wir kamen am Flughafen an in Lelongwe.

00:01:04: Die Freude war groß, meine Stilfmutter Rose hat uns abgeholt.

00:01:09: Wir sind ins Hotel gefahren und am nächsten Tag wollten wir an den See.

00:01:16: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt denn es gab gleich am nächsten Morgen einen Unfall meiner Mutter.

00:01:25: Leichtige Hirnerschütterung, leichte Schädelhirntrauma und sofort das Verbot des Arztes an den See zu fahren, weil der gesagt hat bitte bleiben sie die nächsten achtundvierzig Stunden in Lelongwe in der Nähe von einem Krankenhaus.

00:01:39: Falls es doch noch eine Hirnblutung gibt?

00:01:42: Ja du hast schon richtig gehört!

00:01:46: Bei dem älteren Menschen sind Kopfverletzungen halt nicht so ohne, weil das gern mal verzögert auftritt.

00:01:53: So ein subturales Hematom oder eine echte Hirn-Blutung kleiner Spoiler alles in Ordnung.

00:02:01: Wir haben dann später noch einen CT machen lassen.

00:02:03: Meine Mutter wird sich wieder erholen, vielleicht braucht es ein bisschen und am Ende wird alles wieder gut werden – Gott sei Dank!

00:02:12: Für uns bedeutet das Jahr achtundvierzig Stunden lang in die Lungwe bleiben im Hotel rumhängen.

00:02:16: viel machen konnten wir sowieso nicht.

00:02:18: also saßen wir am Pool Und Rose hing von morgens bis abends am Telefon.

00:02:26: Ab morgens um sechs konnten wir sie im Nachbarzimmer reden hören.

00:02:32: Das Telefon klingelt in einem fort, sie tippt in einem Fort eine WhatsApp nach der anderen.

00:02:40: Wenn mein Ich hänge ja schon viel am Handy.

00:02:44: Allerdings ist es harmlos gegen das was ich da jetzt erlebt habe bei The Rose.

00:02:50: Irgendwann fand ich's nervig!

00:02:52: Ich bin ehrlich... weil des war auch beim Frühstück, beim Mittagessen und beim Abendessen im Auto egal wo wir waren ständig das Handy.

00:03:03: Ich habe die Rose gefragt, was machst du da eigentlich?

00:03:06: Die ganze Zeit?

00:03:07: und dann sagt sie anette ich muss den Schulalltag organisieren.

00:03:13: Da war ich entsetzt!

00:03:16: Denn die Schule hat einen Manager, die Schule hatte ein Headteacher... ...die Schule hat im Prinzip eine ganze Menge Leute, die ihre Aufgaben übernehmen sollten Und immer wieder habe ich erlebt dass das Telefon bei der Rose bei Kleinigkeiten geklingelt hat.

00:03:35: Ich hab nicht jedes Wort verstanden weil ich kein Chichewa kann.

00:03:40: Rose hat ja eine lustige Mischung beim Sprechen, die wechselt dauernd zwischen Englisch und Cicella hinten und her.

00:03:45: Und dann kriegt man den Sinn schon mit!

00:03:47: Und dann habe ich irgendwie auch erlebt auf der Rückfahrt vom See dass es Telefon klingelt und mein Vater dran ist.

00:03:55: Der fragte ob denn noch genug Milch da sei?

00:03:59: Er hab echt gedacht er jetzt schlägt's dreizehn Fahrtern.

00:04:01: vielleicht gehst du erstmal in die Küche... ...und guck's danach wo die Milch normalerweise isst bevor du deine Frau anrufst und sie nach dem Milch fragst.

00:04:12: Kennst du solche Anrufe auch?

00:04:14: Mit total banalen Fragen, wo man ja doch selber erst mal nachschauen könnte und Hirn einschalten bevor man sofort das Gegenüber anruft wegen irgendeiner Kleinigkeit.

00:04:26: Ja?

00:04:28: Herzlich willkommen!

00:04:29: Dann bist Du nie gleiche Falle rein gedappt in die auch ich manchmal reintappe Rose in der Rose ständig drin hängt Und die einen irgendwann wütend macht oder also mich zumindest.

00:04:45: Ich merke, dass mich das total sauer macht.

00:04:48: Wenn ich mich dabei ertappe, dass sich wieder anderen Menschen erlaubt habe... ...dass sie sofort mich einschalten bevor Sie selber nachdenken!

00:04:58: Das hat nämlich ganz schön viel mit einem selber zu tun.

00:05:02: Ja, ich kenne es auch gut aus meinen Workshops Da gönne natürlich immer zwei Menschen dazu Die eine Person die sich total schwer tut zu delegieren und auch eine Rückdelegation freudestrahlend annimmt Und die andere Person, die die irgendwann einfach nicht mehr mitdenkt.

00:05:21: Die sie es bequem macht?

00:05:22: Die irgendwie denkt, oh kann ich ja schnell nachfragen bevor ich mein Gehirn selber einschalte!

00:05:30: Leider hat das ganz schön große Auswirkungen.

00:05:35: bei der Rose konnte ich jetzt diese zwei Wochen beobachten wie sehr die auch mental überlastet ist.

00:05:43: Ich glaube heutzutage nennt man das ja Mental Load.

00:05:47: Die kommt überhaupt nicht zur Ruhe.

00:05:50: Die ist nur am organisieren.

00:05:53: Wir waren ja dann noch drei Tage in Sambia und da hatten wir dem Himmelser Dank teilweise weder Netz, noch Internet, noch irgendwas.

00:06:01: Da war dann endlich mal Ruhe!

00:06:03: Und sie konnte im Hier-und-Jetzt sein mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit die Landschaft angucken.

00:06:11: Sonst kann sie das nie.

00:06:16: Wenn ich darüber nachdenke, der schnürts mir gleich die Luft zum Atmen ab... ...und ja Rose hat eigentlich nie Zeit für sich.

00:06:28: Und desgegenüber Was das macht, dann mal schnell anzurufen wegen irgendwelchen Kleinigkeiten statt Probleme selber zu lösen.

00:06:39: Das wird ja immer unmotivierter und immer passiver.

00:06:44: Fühlt sich hilflosern, wird kleiner.

00:06:47: und jetzt nochmal beim Thema mentale Gesundheit – und pentale Stärke!

00:06:53: Und es ist natürlich so ein Wechselspiel, so richtig schön ping-pong.

00:06:57: wenn ich einem anderen Menschen alles abnehme Lade ich Ihnen dazu ein, das Denken und die Selbstständigkeit einzuschränken oder sogar ganz einzustellen.

00:07:11: Alles auf mir abzuladen!

00:07:14: Und ich muss sehr gut aufpassen dass sich zwischen den Zeilen nicht schon auch die Botschaft schicken.

00:07:18: Naja... Ich traue es dir eigentlich eh nicht so zu.

00:07:26: Auf der anderen Seite kommt man selber nichts zu den Sachen, die möglicherweise wirklich wichtig sind.

00:07:33: Die auf die ich meinen Fokus legen sollte.

00:07:38: Ja und da habe ich festgestellt, dass die Menschen in Deutschland genauso sind wie in Malawi.

00:07:43: Denn dieses Thema kenne ich ja nur zu gut aus meinen Workshops!

00:07:51: In anderthalb Wochen bin ich bei einer Firma, die mich jetzt darum gebeten hat das wir in den Workshop einbauen, Thema Verbindlichkeit, Thema Aufgaben erledigen.

00:08:02: Da gibt es ganz viele Mitarbeitende, die sich über eine Führungskräfte beschweren, die Micro-Management macht.

00:08:12: Macht sie tatsächlich oft?

00:08:14: Zu viel.

00:08:17: Wenn man nachfragt, wieso dann sagt diese Person zu mir ja weißt ihr nette?

00:08:22: Ich kann mich einfach nicht drauf verlassen dass meine Leute das erledigen.

00:08:28: Wir haben x-mal drüber gesprochen.

00:08:30: sie tun es einfach nicht.

00:08:33: Naja klar da muss man jetzt schon anschauen Wie ist denn das eigentlich mit den Führungskräften?

00:08:37: ansonsten machen die ihrer Aufgaben oder nicht?

00:08:41: Inwieweit zieht sich das durch?

00:08:44: Doch der Einstieg in so ein ich kann nichts delegieren hat auch was damit zu tun, dass verbindliche Verabredungen nicht eingehalten werden.

00:08:55: Oder das sich darüber nachdenke, dass es der andere vielleicht nicht kann und ist echt anstrengend manche Sachen mehrmals zu erklären und durchzuhalten wenn's der Andere nicht macht!

00:09:10: Und man ihm dann sagt du guck doch erst mal selber ob du's auf die Reihe kriegst und wie du es auf die Reihe kriegs.

00:09:21: Da sagte Rose jetzt zum Beispiel zu mir, ja ihr wisst ja nette es gibt halt Leute wenn ich denen sage sie sollen selber machen dann reagieren die grandtick die sind dann beleidigt weil ichs nicht für sie mache.

00:09:34: Ja können passieren!

00:09:36: Und dann sagt Rose zu mir und weiß der Wassernette dafür habe ich keine Kraft und dann ist sie gefangen im Kreislauf des.

00:09:49: Sie macht alles.

00:09:54: Ich weiß ja ganz genau, wer wir schon ausprobiert haben.

00:09:56: Also jetzt nicht bei Rose ansonsten.

00:09:59: Wir haben dir schon ausprobiert das es einige Wochen Durchhaltevermögen braucht und dass konsequente zurückgeben von Aufgaben bis sich was ändert.

00:10:12: Sechs Wochen mindestens sechs Wochen wenn dann jemand eine Aufgabe zurück geben will wo man sagt bring mir doch erstmal drei Lösungsverschläge wie du's auf die Reihe kriegst.

00:10:24: Nach sechs Wochen kommen die Leute deutlich weniger, weil sie genau wissen.

00:10:29: Erst mal ist die Frage und was sind deine drei Lösungsvorschläge?

00:10:36: Und dann kann man es auch gleich selber umsetzen – und nicht wieder versuchen abzugeben!

00:10:45: Also abgesehen davon dass das einfach alles unfassbar viel Zeit kostet, ist das was mich am allermeisten entsetzt, dass es die eine Seite total auslaugt und die andere Seite klein macht.

00:11:01: Weil wenn ich alles abgebe habe ich irgendwann das Gefühl, ich kann ja gar nichts mehr selber.

00:11:08: Und es macht was mit Menschen!

00:11:11: Das macht Motivation kaputt weil wie stolz sind wir wenn wir ein Problem selber gelöst haben?

00:11:18: Es macht Menschen passiv.

00:11:22: Sie werden immer häufiger fragen, immer häufig das Gefühl haben, ich schaffe das nicht.

00:11:29: Sie laden den einen oder anderen schon auch dazu ein Nicht mehr mit zu denken und faul zu sein Und deswegen bin ich der Meinung, dass das keine gute Idee ist zu denken.

00:11:46: Ich mach's lieber schnell selber weil dann weiß ich, dass es gemacht ist und ich weiß auch, dass er ordentlich gemacht ist.

00:11:53: Kurzfristig gesehen stimmt das natürlich.

00:11:55: Kurzfrustig gesehen bin ich viel schneller wenn ich Sachen selber erledige und ich weiss es ist gescheit gemacht.

00:12:05: Langfristig gesehn ist der Aufwand dann eine Änderung herbeizuführen.

00:12:14: Viel, viel, viel größer!

00:12:18: Ich kann dir das nicht empfehlen.

00:12:21: Das ist anstrengend, es führt zu Reibereien, das führt zu beleidigt sein... ...das führt zu Ungeduld, das wird vielleicht auch mal zu einem Konflikt?

00:12:32: Das ist nicht sinnvoll!

00:12:36: Deswegen ist jetzt meine Frage an dich.

00:12:41: Hast du dich erkannt bei dem was ich jetzt erzählt habe und wenn ja wo kannst du für dich anfangen?

00:12:52: Und fang am besten bei den kleinen Sachen an.

00:12:55: Konsequenz zu delegieren und die Erledigung von einer Aufgabe dann noch einzufordern, nicht sofort einzusteigen wenn der andere sagt ich weiß nicht wie es geht?

00:13:06: Ich kann das nicht!

00:13:09: Eine Reise beginnt immer mit einem ersten Schritt.

00:13:13: du wirst merken Am Ende ist es einfacher als du denkst.

00:13:19: Wir hören uns in zwei Wochen wieder.

00:13:21: Ich wünsche dir bis dahin natürlich eine gute Zeit und gute Erfolge beim Ausprobieren des konsequenten Delegierens.

00:13:33: Schön, dass du mit dabei warst!

00:13:35: Ich hoffe, Du konntest den einen oder anderen Gedanken als Inspiration für Dich mitnehmen.

00:13:41: Und Du weißt ja – Erfolg hat genau drei Buchstaben T, U und N. Ich freue mich wenn wir uns bald wieder hier hören.

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